Fair Hunt – faire Jagd

Anblick

 

Nicht zu Unrecht stehen manche Jäger der organisierten Auslandsjagd skeptisch gegenüber. Denn neben dem berechtigten Wunsch, andere Reviere zu erkunden und fremde Jagdarten auszuprobieren, werden mitunter von den Veranstaltern Hegemaßnahmen“ angewandt, die mit einer nachhaltigen, weidgerechten Jagd nicht vereinbar sind. Mit dem Unternehmen Fair Hunt will Kurt Hofer auf diesem ebiet neue Akzente setzen.

Kurt Hofer: „Wo der Zaun anfängt, hört für mich die Jagd auf. Da gibt es keine Toleranz!“Bereits seit 25 Jahren vermittelt Kurt Hofer Jagdreisen. 20 Jahre davon hat er Kettner Jagdreisen geleitet, seit fünf Jahren arbeitet er für Diana. Aufgrund von Managementfehlern musste Diana im Vorjahr eine Krise überwinden, was das Ausschlaggebende für Kurt Hofer war, sich mit seinem eigenen Unternehmen ein zweites Standbein zu schaffen. Schon während dieser Zeit war es ihm ein Anliegen, möglichst faire, weidgerechte Jagden anzubieten, wenngleich er eingesteht: „Trotzdem musste ich viele Jagdpraktiken mitansehen, durch die meine innere Psyche angeschlagen wurde. Konkret kann ich mich an eine Gatterjagd erinnern, bei der wir an die 100 Sauen erlegt haben. Ich hab da damals selber mitgemacht, aber mir wurde speiübel.“ Ein weiterer Anstoß kam aus seiner Teilnahme am Media- Naturae-Lehrgang der Universität für Bodenkultur. Hier bot sich Kurt Hofer die Gelegenheit, die „Jagdwirtschaft“ in verschiedenen Revieren einmal von der anderen Seite zu betrachten. „In Tschechien haben wir eine Fasanerie mit einem jährlichen Ausstoß von 50.000 Stück besucht. Da die erlegten Fasane nach onatelanger Volierenhaltung voll mit Medikamenten waren, waren Sie nicht für den menschlichen Genuss und auch nicht für Hundefutter geeignet und mussten daher als Sondermüll entsorgt werden. Und ich habe Ungarn kennen gelernt, die Rehböcke einfangen und solange mit Hormongaben behandeln, bis „Kapitalgeweihe“ entstehen. Man erkennt diese Böcke leicht an der starken Perlung und dem schlechten Verfegungsgrad, ähnlich einem Perückenbock.“ Der Frust saß entsprechend tief, und Kurt Hofer suchte nach einem Weg, trotz seiner beruflichen Tätigkeit gut leben zu können – nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem so, dass er mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen kann. Dabei ist er Profi genug, um nicht blauäugig als Gutmensch durch die Lande zu ziehen, sondern nach wirklichen Lösungen zu suchen. Es ist für ihn klar, dass 80 % der Jagdkunden der Trophäe wegen auf die Jagd gehen und nur 20 % des Erlebnisses wegen. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit jagdlichen Managements in den Revieren. „Auch in meinem eigenen Revier schau ich darauf, dass wir möglichst Böcke mit guten Trophäen haben. Entsprechend hege und füttere ich die Rehe. Das ist für mich in Ordnung und kann durchaus auch Teil einer nachhaltigen Wildbewirtschaftung sein. Ich halte nichts davon, den Wildstand nur sich selbst zu überlassen.“ Auf der anderen Seite grenzt sich Hofer deutlich gegen Gatter ab. Er ist klar gegen Kistlfasane und dergleichen, und eine weidgerechte Jagdausübung ist ihm wichtig. „Wo der Zaun anfängt, hört für mich die Jagd auf. Da gibt es keine Toleranz!“ Aus diesen Überlegungen heraus wurde Fair Hunt gegründet, namentlich angelehnt an Fair Trade, was für nachhaltige und ökologisch vertretbare Landwirtschaft steht. Fair Hunt ist, wenn man so will, so etwas wie eine „Bio-Jagd“. Das Betriebskonzept basiert dabei auf der Mitarbeit der ungarischen Partner, die unter der wildökologischen Aufsicht von Papp Attila stehen. Zur Zeit sind daran rund 15 Reviere mit einer Gesamtfläche von etwa 75.000 ha beteiligt, in denen alle Wildarten angeboten werden können (vom Rothirsch bis zur Türkentaube). Die betroffenen Reviere bekommen ein internes Gütesiegel, wenn dort nachhaltig gejagt wird. Das bedeutet, dass die Jagd als pflegliche Nutzung nachwachsender Ressourcen verstanden wird. Deswegen werden keine Gatter akzeptiert, und keine Wildtiere dürfen zu Jagdzwecken ausgesetzt werden. Außerdem basiert die Jagdausübung auf einer wildökologischen Planung. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ steht auch dafür, dass das Geld der Jagdkunden direkt in die Reviere fließt und der Region vor Ort zur Verfügung steht. Die Verrechnung erfolgt deswegen direkt über die Reviere, der Vermittler erhält dann erst vom Revier eine vereinbarte Provision. Nicht zuletzt nimmt Kurt Hofer auch seine verantwortung der Weiterbildung als Jäger wahr und absolviert im Moment den Universitätslehrgang „Jagdwirt“ an der BOKU, der im März 2008 begonnnen hat.
Fair Hunt ist seit wenigen Monaten am Markt. Wie gut das Konzept von den Jagdkunden angenommen werden wird, gilt es noch abzuwarten. Bisher war es ja gerade im ANBLICK immer ein großes Thema, jagdethisch korrekt zu jagen und sich gegen Gatterjagden und dergleichen zu positionieren.

Nun hätte man Gelegenheit dazu (www.fairhunt.net).
Stefan Maurer